So wird man Wattführer

Bezüglich einer Email-Anfrage an mich, wie man staatlich geprüfter Wattführer wird, habe ich meine Antwort für alle Interessierten hier einmal veröffentlicht.

Hallo,
gerne scheibe ich Dir ein paar Infos zu den Wattführungen und wie man Wattführer wird. Zunächst einmal gibt es keine direkte Ausbildung als Wattführer. Du musst Dir aus Büchern, Seminaren der Nationalparkverwaltung sowie bei heimischen Wattführern das notwendige Wissen für die Prüfung erlernen. Damit man hier in Niedersachsen als Wattführer tätig werden darfst, muss bei der Nationalparkverwaltung bzw. der Bezirksregierung Weser-Ems eine etwa zweistündige mündliche Prüfung abgelegt werden. Den Prüfungstermin erhälst Du, nachdem bei der Bez-Reg. einige Papiere eingereicht wurden:

  1. Führungszeugnis,
  2. Erste-Hilfe Nachweis,
  3. Schwimmer-Nachweis,
  4. Gesundheitspass durch das Gesundheitsamt.
  5. Nachweis über jeweils drei Wattführungen zur sowie von einer Insel / dem Wattgebiet, für die Du Wanderungen anbieten möchtest. Der Nachweis wird von einem zugelassenen Wattführer ausgestellt.

Während der Prüfung werden verschiedene Themenschwerpunkte abgefragt u. A.:

Desweiteren wird Deine persönliche Eignung als Wattführer von dem vierköpfigen Prüfungsausschuss (Wasserschutzpolizei, Wattführer, Nationalpark-Beitrat Mitarbeiter, Protokollführer) festgestellt. Ist alles bestanden, bekommst Du für die Dauer von 6 Jahren eine Konzession für das beantragte Wattgebiet / die Insel ausgestellt.

Zur Pflichtausrüstung eines Wattführers gehören verschiedene Dinge, die Du bei jeder Wanderung mitführen musst:

  1. Kompaß,
  2. Rettungsseil ( 30 Meter ),
  3. Rettungsdecke,
  4. Erste-Hilfe-Ausrüstung,
  5. Uhr,
  6. Pfeife,
  7. Fernglas,
  8. Notsignalmittel ( hierfür wird der "kleine Waffenschein" benötigt ),
  9. Handy oder Funkverbindung.

Ich selbst benutzer öfters ein GPS-Gerät, um Wegpunkte und Gefahrenstellen zu markieren und somit eine optimale Wegstrecke zu den Inseln Baltrum und Norderney zu finden.

Weitere Infos findest Du im Niedersächsichen Gesetz- und Verordnungsblatt bzw. durch Auskunft bei der Bezirksregierung Weser-Ems, in der die "Verordnungs von Führungen auf dem Wattgebiet" beschrieben wird ( z.B. wann eine Führung stattfinden darf, Gruppenstärke, usw. ). Allgemein ist wichtig zu wissen, dass:

Von den ganzen Formalien einmal abgesehen, ist die Erfahrung als Wattführer besonders wichtig. Ich habe 1997 zusammen mit Wattführer Gerald Diekmann ein ganzes Jahr mit der Vorbereitung zur Prüfung und insbesondere dem erlernen des Wattgebietes zwischen Neßmersiel und Baltrum sowie Norderney verbracht. Man muss sich bewusst sein, dass man als Wattführer die volle Verantwortung für 30 bzw. 60 Teilnehmer übernimmt und man angemessen in einer möglichen Gefahrensituation reagiert (z.B. plötzliches Gewitter im Watt). Weiterhin musst Du besonders sorgsam bei der Berechnung Deiner Wattwandertermine sein. Als Grundlage dienen die offiziellen, vom BSH veröffentlichten Hoch- und Niedrigwasserzeiten für die Deutsche Bucht und deren Mündungsgebiete. Grundsätzlich wird bei Wattführungen zur Insel immer mit ablaufendem Wasser gewandert. Wieviel Stunden vorher Du mit Deiner Führung beginnst, hängt ganz von der Insel und dem Wattgebiet ab und ist ein wichtiger Erfahrungspunkt, der bei Erkundungswanderungen gesammelt werden muss.